Situation erstmals im Labor wissenschaftlich nachgebildet: Dauerstress fördert die Glatzenbildung

März 26th, 2008 von admin

Bielefeld (ots) - Was passiert, wenn man Haarwurzeln unter Stress setzt? Dieser Frage gehen seit geraumer Zeit Wissenschaftler weltweit nach. Jetzt ist es einem Forscherteam der Universität Lübeck gelungen, Haarwurzeln dem natürlichen Stress durch körpereigene Hormone auszusetzen. Stresshormone beeinflussen die Energiebilanz an der Haarwurzel, so die Beobachtung der Wissenschaftler. Hält dieser Vorgang an, liegt also eine dauerhafte Stresssituation vor, kommt es vermutlich zu vermehrtem Haarausfall.

Der Körper reagiert auf permanenten Stress, indem er vermehrt Stress-Hormone ausschüttet. Und die fördern eben unter Umständen auch die Glatzenbildung. Die Initialzündung geht dabei vom Corticotropin auslösenden Hormon CRH aus. Es setzt verstärkt Cortisol und Testosteron frei. Das wiederum führt zu einem Energiemangel, der sich unter anderem in den Haarwurzeln bemerkbar macht. Beschleunigter Haarausfall ist die Folge. Dieser Wirkungszusammenhang konnte jetzt erstmals an der Universitätshautklinik Lübeck unter der Leitung von Dr. T. Fischer und Prof. Dr. R. Paus anhand eines Haarorgankultur-Modells experimentell bewiesen werden. Schon bei geringen und spezifischen CRH-Konzentrationen wurde die Wachstumsphase der Haarwurzel deutlich verkürzt und außerdem vergrößerte sich der Anteil Haare in der Ruhephase. Genau das sind die Voraussetzungen für vorzeitigen Haarausfall. Durch den Zusatz einer geringen Menge von Coffein - auch das ein Ergebnis des Experiments - verschwand der negative Effekt von CRH dann jedoch wieder vollständig.

“Damit hat sich Coffein ein weiteres Mal als haarwurzel-stimulierender Wirkstoff gezeigt, der sowohl gegen die supressiven Eigenschaften des männlichen Geschlechtshormons Testosteron als auch gegen das Stresshormon CRH erfolgreich eingesetzt werden kann”, bewertet der Leiter der Dr. Wolff-Forschung, Dr. Adolf Klenk, die Forschungsergebnisse aus Lübeck. “An diese unerwartet klaren Resultate sollten sich weitere Untersuchungen anschließen, damit weitere Details des Ablaufs geklärt werden können.”

Die Lübecker Ergebnisse erweitern und bestätigen vorausgegangene Stress-Untersuchungen der Dr. Wolff-Forschung, die u. a. 2007 in Stress-Situationen mit Handballern anlässlich der Weltmeisterschaft durchgeführt wurden. Auch damals zeigte sich, dass mentale Anspannung und körperliche Anstrengung Stress-Hormone ausschütten und bei Sportlern das Risiko für Haarausfall vergrößern.

Stress ist bei vielen Menschen heutzutage fast schon der Normalzustand. Gut drei Viertel der Bundesbürger fühlen sich übermäßiger Belastung ausgesetzt. Und der Druck wird offenbar ständig stärker. Laut einer repräsentativen Umfrage haben knapp 23 Prozent den Eindruck, der Stress nehme immer mehr zu. Die gesundheitlichen Folgen einer Dauerbelastung können vielfältig sein. Die Palette reicht von Kopfschmerzen und Verspannungen über Schlafprobleme bis hin zu Bluthochdruck und Magenbeschwerden.

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Quelle: presseportal.de 

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Ein Regulator der Haarentwicklung

März 19th, 2008 von admin

Einfluss auf die Beschaffenheit und Verankerung des Kopfhaars
Auf der Suche nach den Ursachen von zwei seltenen Haarwuchsstörungen sind deutsche und amerikanische Forscher unabhängig voneinander auf ein Gen gestossen, das die Beschaffenheit des menschlichen Kopfhaars und dessen Verankerung in der Haut massgeblich zu beeinflussen scheint. So können Mutationen in dieser Erbanlage sowohl schweren Haarausfall als auch strukturelle Haarmängel hervorrufen. Die Erkenntnisse der deutschen Wissenschafter gründen auf Beobachtungen bei einer saudischen Familie, in der vier von elf Geschwistern schon im Kindesalter an einer unbehandelbaren, seltenen Form von schwerem Haarausfall (Hypotrichosis simplex) erkrankt sind.
Punktuelle Genveränderungen

Wie Sandra Pasternack und Regina Betz vom Institut für Humangenetik und ihre Kollegen herausgefunden haben, beruht der Haarverlust der Betroffenen auf punktuellen Veränderungen in einem Gen, das die Bauanleitung eines in den inneren Zellschichten des Haarbalgs vorkommenden Proteins namens P2Y5 trägt.¹ Zu den Aufgaben dieses Eiweissstoffes gehört es, von aussen eintreffende Wachstumssignale in das Zellinnere weiterzuleiten. Die bei den vier saudischen Geschwistern entdeckte Mutation bewirkt offenbar, dass das Protein nicht richtig zusammengebaut wird und in der Folge seine Aufgabe als Signalvermittler nicht mehr wahrzunehmen vermag. Das schadhafte P2Y5 scheint die Wachstumssignale zwar weiterhin zu «hören», aber nicht mehr in der Lage zu sein, sie weiterzugeben.

Der von Pasternack und ihren Kollegen beschriebene Proteindefekt führt offenbar vorwiegend zu einem Verlust des Kopfhaars. Die Augenbrauen, Wimpern und übrigen Körperhaare bleiben hingegen weitgehend verschont. Der Grund für die grössere Anfälligkeit des Kopfhaars scheint zu sein, dass hier allein P2Y5 für die Vermittlung von Wachstumssignalen sorgt, während in den übrigen Körperregionen auch andere Proteine diese Aufgabe übernehmen und ein Funktionsausfall des Haarwuchsproteins P2Y5 somit weniger ins Gewicht fällt.
Beeinflussung der Form

Ein genetisch bedingter P2Y5-Defekt liegt auch einer weiteren erblichen Störung zugrunde, die durch extrem krauses und stellenweise schütteres Kopfhaar auffällt. Diesen Schluss ziehen die Dermatologen Yutaka Shimomura und Angela Christiano von der Columbia-Universität in New York City und ihre Kollegen aus den Ergebnissen einer Studie, in der sie den genetischen Hintergrund von mehreren einschlägig belasteten pakistanischen Sippen beleuchtet haben.² Die von den amerikanischen Forschern identifizierte Mutation führt jedoch offenbar nicht zu einem kompletten Funktionsverlust von P2Y5, sondern nur zu einer «verzerrten» Signalübertragung. Diese ist offenbar in der Lage, die Struktur des Kopfhaars – auch hier sind die übrigen Körperhaare nicht betroffen – grundlegend zu verändern.

Somit scheint P2Y5 nicht nur die Befestigung der Haare, sondern auch deren Form zu beeinflussen und folglich eine wichtige Rolle bei der Haarentwicklung zu spielen. Denkbar ist daher, dass auch andere Haarwuchsstörungen auf genetisch bedingte Defekte dieses Proteins zurückgehen. Damit hätte die Wissenschaft ein neues Angriffsziel bei dem Bemühen, wirksame Therapien gegen Haarausfall und andere Haarleiden zu finden.
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Quelle: nzz.ch

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