Neue Hoffnung auf Haarwuchs

Dezember 7th, 2007 von admin

uerst wird die Stirn höher, dann zeigt sich eine lichte Stelle am Hinterkopf: Haarausfall ist für viele Männer ein regelrechter Super-GAU. Während sie früher ihre Hoffnung in allerlei Mittelchen setzen mussten oder die kahlen Stellen mit Haarteilen kaschierten, stehen seit einigen Jahren auch wirksame Medikamente zur Verfügung. Eine Garantie für volles Haar können allerdings auch sie nicht geben.
Das Leiden der Männer hat durchaus einen realistischen Grund: “Studien ergaben, dass Männer mit Glatze nicht nur durchschnittlich drei bis vier Jahre älter geschätzt werden, als sie eigentlich sind”, sagt der Psychologe Ronald Henss aus Saarbrücken. “Sie werden auch als unmodischer empfunden als Männer mit vollem Haar.” Ein kleiner Trost: “Männer mit Glatze werden meist als Familienmenschen und treue Ehemänner angesehen”, sagt der Psychologe.
Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Haare ausfallen. “Bis zum 80. Lebensjahr sind um die 80 Prozent aller Männer mehr oder weniger betroffen”, erklärt Natalie Garcia Bartels vom Kompetenzzentrum für Haare der Charité in Berlin. “Meist handelt es sich dabei um erblich bedingten Haarausfall, die so genannte androgenetische Alopezie, die bei Männern vom 20. Lebensjahr an einsetzen kann.” Sie zeigt sich mit Geheimratsecken oder Haarausfall am Hinterkopf und arbeitet sich langsam vor.
Die Ursache erklärt der Endokrinologe und Internist Gerd Hofmann aus München: “Es gibt ein Enzym, das das männliche Hormon Testosteron in Dihydrotestosteron umwandelt, wogegen wiederum die Haarfollikel eine starke Empfindlichkeit entwickeln.” Die Folge sei, dass der Mann mehr Haare als normal verliert. Warum das bei manchen Männern passiert und bei anderen nicht, sei allerdings noch nicht erforscht.
Um den Haarausfall zu stoppen, kann man mittlerweile zu zwei Mitteln greifen, deren Wirkung auch tatsächlich durch Studien belegt ist. “Zunächst gibt es da den Wirkstoff Finasterid, der in höherer Dosierung eigentlich zur Behandlung der Prostata eingesetzt wird”, erklärt Garcia Bartels. “Der hemmt das Enzym, das das Testosteron in das für die Haarwurzel schädliche Dihydrotestosteron umwandelt.”
Der verschreibungspflichtige Wirkstoff muss täglich in Tabletten eingenommen werden. “Stoppt man die Behandlung, wird der Haarausfall in der Regel wie zuvor wieder weitergehen.” Die Kosten mit rund 150 Euro für drei Monate sind zudem recht hoch. Etwas günstiger und zur äußeren Anwendung vorgesehen ist hingegen der Wirkstoff Minoxidil. Er wurde ursprünglich als Bluthochdruckmittel entwickelt. “Diese Tinktur muss zweimal täglich aufgetragen werden”, weiß Garcia Bartels.
Bei Minoxidil liegt die Erfolgsquote allerdings niedriger: Während bei Finasterid bei 80 Prozent der Anwender der Haarausfall gestoppt, liegt der Wert beim Minoxidil bei etwa 70 Prozent. Und wachsen mit Finasterid bei 70 bis 80 Prozent der Anwender wieder Haare, sprießt es bei Minoxidil nur bei 50 bis 60 Prozent.
Neben den Medikamenten gibt es auch noch eine andere Möglichkeit, wieder zu einem volleren Haupthaar zu kommen: die Eigenhaartransplantation. Dabei werden Hautstücke mit Haarwurzeln aus dem Nackenbereich herausgeschnitten und die Wurzeln auf die kahlen Stellen verpflanzt. “Eine solche Maßnahme kommt aber nur in Frage, wenn der Haarausfall nicht mehr aktiv ist”, sagt Garcia Bartels.
Eine solche Transplantation ist zudem sehr kostspielig. Vermutlich ist es da besser, wenn ein Mann lernt, zu seiner Glatze zu stehen. “Die Probleme, die Männer mit dem ausfallenden Haar haben, nehmen ohnehin mit zunehmendem Alter ab”, sagt Psychologe Henss.
(APA/dpa)

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Artikel auf: nachrichten.at 

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