Was ist an den Haaren denn nun so besonders? Eigentlich sind sie doch nur tote Materie. Sprich: aneinandergereihte, tote Zellschichten aus Horn. Genau wie unsere Finger- und Fußnägel übrigens auch.Â
Obwohl, ganz tot stimmt auch wieder nicht, denn an der Haarwurzel gibt es Nerven, die kleine Bewegungen, wie einen Luftzug oder ähnliches registrieren und dann das Haar aufstellen. Man bekommt eine Gänsehaut, denn die Wärme soll ja am Körper gehalten werden.Â
Auch leben tut ein Haar nicht sehr lange, zumindest nicht lange im Vergleich zu unserem eigenen Leben. Schon bevor man geboren wird, fangen die Haare an zu wachsen. Das heißt, es bilden sich in der Kopfhaut, aber auch überall sonst am Körper sogenannte Haarfollikel, aus denen später die Haare wachsen. Schimpansen haben übrigens genauso viele Haarfollikel wie ein Mensch… Mit dem Unterschied, dass beim Menschen nicht jeder Haarfollikel, der in der Haut aufgebaut wurde, auch ein Haar wachsen lässt. Bei den Männern existiert jedoch auch das Phänomen, das in der Gesichtshaut bereits Haarfollikel vorhanden sind, aber erst in der Pubertät “aktiviert” werden.Â
Verankert ist ein Haar in der Kopfhaut mit der Haarzwiebel. Sozusagen aus der Haarzwiebel heraus wächst das Haar nach oben, durch die Kopfhaut hindurch, vorbei an einer Talgdrüse, die das Haar einfettet. Wenn diese Talgdrüse zu aktiv ist, oder man sich länger nicht die Haare wäscht, produziert diese Drüse zuviel Talg und das Haar wird fettig. Das was dann aus dem Kopf herausguckt ist der sogenannte Haarschaft. Und jetzt kommen wir zu einem ganz interessanten Aspekt: wie schafft es die Natur, dass einigen Menschen wilde, krause Locken wachsen und andere hingegen schönes glattes Haar? Große Frage, einfache, fast beleidigende Antwort.Â
Bei manchen Menschen ist der Haarfollikel, aus dem das Haar wächst, einfach krumm!Â
Man muss sich diesen Follikel vielleicht als eine klitze kleine Röhre vorstellen, die gebogen ist und deshalb auch gebogene Haare produziert. Bei den einen etwas mehr gebogen, bei den anderen etwas weniger und schon hat man sehr verschiedene Haarformen. Im Laufe des Lebens kann sich die Form des Haarfollikels allerdings auch verändern. Manchmal nach etwas mehr lockig, manchmal etwas glatter.  Â
Das Haar an sich ist aus drei Schichten aufgebaut.
In der Mitte befinden sich sogenannte Markzellen, die von einer Schicht Faserzellen umgeben sind. Hier befinden sich die Farbpigmente, die die Haarfarbe ausmachen. Diese Farbpigmente, Melanin genannt, werden im Haarfollikel aufgebaut, und zwar aus körpereigenen Aminosäuren. Spannend dabei ist, dass sich aus nur zwei verschiedenen Melanin-Typen die ganzen vielen verschiedenen Haarfarben zusammenmischen. Hierfür gibt es Eumelanin und Phaeomelanin, wobei das erste für die Schwarzfärbung der Haare verantwortlich ist, und das Zweite für die Rot-/Blondfärbung. Menschen mit besonders blonden Haaren besitzen also viel Phaeomelanin, Menschen mit Schwarzen Haaren besonders wenig, dafür aber mehr Eumelanin. Mischtöne wie Brünett oder Dunkelblond setzen sich aus verschiedenen Konzentrationen beider Melanine zusammen. Jemand mit roten Haaren besitzt nur Phaeomelanine.Â
Um die Faserzellen herum ist eine schuppenartige durchsichtige Zellschicht gelagert, durch die die Farbe hindurch scheint. Diese Schicht schütz die Haare vor zum Beispiel Austrocknung. Ich denke also, wenn man sich die Haare färbt, was Frauen ja mit besonderer Vorliebe praktizieren, färbt man diese äußere, durchsichtige Schicht und überdeckt die eigentliche Haarfarbe nur. Aber zu viel Farbe schädigt diese Schutzschicht. Von daher also: nicht zu viel des Guten!!Â
Nun haben wir noch eine Frage offen: Wie lange und wie schnell wachsen Haare denn so durchschnittlich? Das ist in sofern eine ganz wichtige Frage, weil einige Männer im hohen Alter doch mit recht spärlicher Haarpracht gesegnet sind…
Nun, bei Männern wachsen Haare 2 bis 4 Jahre, bei Frauen sind es gleich 4 bis 6 Jahre. Danach durchleben sie noch ein bis zwei Ruhephasen, bevor sie dann ausfallen. Dann wächst an dieser Stelle ein neues Haar aus dem Haarfollikel. Das wiederholt sich dann so 10 bis 12 mal, bis der Haarfollikel keine Haare mehr produziert. Naja, und wenn einem jeden Tag so ca. 60 bis 100 Haare ausfallen, kann sich jeder selber ausrechnen, wann er mit einer Glatze rumrennen wird.
Zu allem Überfluss wachsen Haare ungefähr einen Millimeter in drei Tagen und das aufs ganze Jahr Hochgerechnet ergibt ungefähr, 15 cm. Spätestens nach 40 bis 50 cm Wachsleistung gibt ein Haar aber auf und fällt aus.
Einige Menschenmögen glauben, das Haare schneller wachsen, wenn man öfter zum Friseur geht und sie schneiden lässt. Das ist ein totaler Trugschluss, denn dem Haar ist es völlig egal, wie oft es gekürzt wird, schneller wachsen tut es dadurch nicht. Jemandem mit einer Kurzhaarfrisur mag es vielleicht nur so vorkommen, weil es einfach mehr auffällt, wenn das Haar wieder ein wenig länger geworden ist, als bei langen Haaren. Und es freut höchstens den Friseur, wenn man öfter bei ihm auftaucht.  Na gut, soviel erstmal zu den Haaren. Dann wünsch ich euch viel Spaß beim frisieren und seit ein bisschen vorsichtig mit euren Haaren…
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Artikel auf: ulricianum-aurich.de